Turnerreise vom 2. und 3. Juli 2005 über den Surenenenpass

Von Raphael Wey

Für jeden der 7 Teilnehmer an der diesjährigen Turnerreise begann das zweitägige Abenteuer am 2. Juli 2005, ganz genau um 9.05 Uhr mit der Fahrt im Postauto von Rickenbach nach Sursee bei bedecktem Himmel. Für jeden, nein... einer (Stifi) wollte seine gute konditionelle Verfassung schon am Morgen unter Beweis stellen und begann die Reise mit einer Velofahrt nach Sursee, da der Schlaf am Morgen stärker war als sein Wecker und alle Autos in der näheren Umgebung vergriffen waren. Doch auch Stifi schaffte es pünktlich auf den Zug ...! Später wurde bekannt, warum er auch mit Velo so schnell in Sursee war: 7 Liter Getränke im Rucksack haben in wohl richtiggehend den Hügel hinuntergeschoben.

Die anschliessende Zugfahrt führte über Luzern nach Altdorf. Dabei wurde das erste Apero genehmigt und somit die Rucksäcke erleichtert, da sich die Gerüchte verhärteten, dass die Wanderroute zu den härteren der letzten Jahre gehören dürfte. Wie nicht anders zu erwarten war, griff dabei schnell das Jassfieber um sich. Weiter ging es mit dem Bus nach Attinghausen und mit dem 4er Gondeli hinauf zum Brüsti.

Nach rund einem Kilometer und 100 Höhenmeter wurde bereits die Mittagsrast fällig. Die Einheimischen hatten bereits eine schöne Glut vorbereitet. Somit konnten wir nur unsere Grillsachen hervornehmen, ein weiteres Apero genehmigen und dem Jassen unsere Aufmerksamkeit schenken. Die Einheimischen schauten nämlich nicht nur zur Glut sondern auch auf unser Fleisch. Rund eine Stunde später machten wir uns auf die Wanderung. Alle hatte nun einen bedeutend leichteren Rucksack, alle... nein, einer (Stifi) konnte den Rucksack um lediglich 2 Würste erleichtern. Schon nach wenigen Schritten merkte man, dass wir eigentlich ein Turnverein sind und kein Jassclub: der Weg führte über Stock und Stein, Treppen und Felsen, Wiesen, Auen und sogar Schneefelder auf sagenhaften 2300m ü. Meer, also 700 Höhenmeter hinauf. Unterwegs trafen wir auf den Sensemann des Surenenpasses, welcher gerne mit uns eins schnupfte. Auf die Frage ob die angegebenen rund 3h zum Pass hinauf richtig sind meinte er, es sei gut gerechnet und in 2.5h sei man oben. Zum Wetter meinte er, es bleibe so wie es ist, also bewölkt aber trocken und auf dem Pass neblig. Nach rund 2h Marsch wurden wir mit einer wunderbaren Aussicht auf das Urnertal mit dem Urnersee belohnt. Der Pass jedoch war weiterhin nirgends zu entdecken und Büxes geeichter Höhenmesser auf seinem Sackmesser zeigt rund 2000 m. ü. Meer an. Der Nebel nahm zu, die Schneefelder wurden länger, die Temperatur sank und der konditionell stärkste Mann merkte sein Übergewicht im Rucksack. Nach rund 3.5 h waren wir schliesslich auf dem Pass angekommen. Die zügige Bise schreckte uns jedoch nicht davon ab, uns kurz auszuruhen und ein Gipfelfoto zu schiessen.

Der nachfolgende Abstieg zur Blackenalp (1800 m. ü. Meer) war wenig aufregend, sieht man einmal davon ab, dass sich am gegenüberliegenden Berghang etwas komisches bewegte. Die Meinungen gingen auseinander: Hunde, Schafe, Uristier, Ötzi und seine Frau, Bären oder doch der Greis der Surenensage. Auch ein abschliessender Blick durch den Feldstecher konnte keinen genauen Aufschluss geben.

Angekommen auf der Blackenalp wurde das Nachtlager inspiziert. Einige genehmigten sich danach ein Apero, Büxe und Stifi (Grenadierschule in Isone lässt grüssen) bevorzugten ein Nacktbad im eisigkalten Stierenbach. Gerüchte sagen, dass es dabei fast zu zwei Geschlechtsumwandlung gekommen sei. Überhaupt bot die Blackenalp einiges Interessantes. So kamen bei Philipp im Stahl (de Laval Melkmaschine) und bei Kiser im Keller (alpeigenes Wasserkraftwerk) heimatliche Gefühle auf. Der 70-Kilo-Hund hätte bei jedem Pöstler einen riesigen Schrecken hervorgerufen, wir hingegen fühlten uns mehr an den Bärengraben erinnert.

Und wieder widmeten wir uns dem Jassen, bevor uns eine Pfanne (1m Durchmesser) voll mit rahmüberdeckten Älplermagronen anlachte. Dazu gab’s Apfelmuss in Hülle und Fülle. Als jeder seinen Hunger gestillt hatte und eine weitere Jassrunde vollendet war, überfiel die Truppe das Meierfieber. Die Strafen reichten vom Handstand-Stehen über Liegestütze bis zu den Klappmessern, die Kiser im zweiten Anlauf (alle gegen Kiser) auch zur Verwunderung aller kurz nach Mitternacht tadellos meisterte. Gegen 3 Uhr übermannte auch die Hartgesottensten der Schlaf.

Der neu Tag schenkte uns ein tadelloses Morgenessen bei blauem Himmel, Sonnenschein und traumhafter Bergidylle. Einzig die Antwort der Wirtin auf unsere Frage, ob der restliche Weg auf die Fürenenalp anstrengend sei, irritierte uns ein wenig: Ihr habt ja nicht so viel getrunken, ihr seid ausgeschlafen und für junge Männer im Turnverein seien da überhaupt keine Schwierigkeiten zu erwarten. Noch lange waren uns die Worte in Erinnerung und wir konnten einfach nicht herausfinden, ob diese Aussage eine Beleidigung oder ein Kompliment war. Auf jeden Fall würde es den einen oder anderen Turner schon interessieren, einmal an einer richtigen Älplerchilbi teilzunehmen, um herauszufinden, was viel trinken und wenig schlafen bei diesen urchigen und bärtigen Männer auf der Alp heisst.

Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg Richtung Engelberg, welcher uns gemäss Büxes Höhenmesser hinunter auf 1600 m. ü. Meer führte, um sofort wieder auf 1800 anzusteigen. Doch nach rund 3h erreichten wir alle das Fürenenalpgondeli, aber nicht ohne Kisers Jagd auf drei Kühe zu begutachten (er hatte wieder einmal beim Meiern verloren und musste drei Kühe berühren). Der sonst konditionell äusserst starke Stifi machte weiterhin nicht den frischesten Eindruck. Unten in Engelberg löste er dann das Rätsel selbst, als er jedem von uns ein Bier anbot und trotzdem den Rucksack immer noch halb voll mit Getränken hatte. Eine kurze Busfahrt führte uns an den Bahnhof von Engelberg, wo wir den Zug nach Sursee via Luzern bestiegen. Selbst Marcel war froh, dass das Marschieren ein Ende hatte und so waren die Liegestützen im Mittelgang des Zugabteils nach einem weiteren Meierspiel fast eine Wohltat.

Im Bus von Sursee nach Rickenbach gab es schliesslich den krönenden Abschluss. Entweder waren wir auf der Blackenalp zu geschwächt oder es muss andere Gründe haben. Auf jeden Fall begriffen alle Personen im Bus das Meierspiel bedeutend schneller als manch einer am Abend zuvor oder war es schon Morgen früh... So war der ganze Bus im Meierfieber und Gerüchte sagen, dass man mit Meiern die Vereinskasse füllen kann.

Am Tag danach merkte dann jeder anhand seiner Beine, ob er mehrheitlich im Jassklub ist oder im Turnverein...! Wer nicht dabei war, hat jedenfalls etwas verpasst... und kann erst im nächsten Jahr das seinige zu einer gelungen Turnerreise beitragen.

Bilder und Photos Fotos

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